Sumi-e Berlin Japanische Tuschmalerei - Einführung
Sumi-e – der Weg der schwarzen Tusche
"Sumi" heißt übersetzt "schwarze Tusche" und
"e"
bedeutet sowohl "Weg" als auch "Malerei". Die "Tuschmalerei des freien Stils"
besteht meist aus kraftvollen, jagenden, schnell hingeworfenen Strichen. In ihr
drückt sich der Zen-Glaube aus, dass Erleuchtung mit der Geschwindigkeit eines
Blitzes kommen kann. Was angedeutet und weggelassen wird, ist oft wichtiger und
ausdrucksvoller als das Gemalte. Die Sparsamkeit der Mittel, das Zurückführen
auf das Wesentliche ist das Herz der Sumi-e Malerei.
Der Zen-Buddhismus beeinflusste, im 12.
Jahrhundert aus China kommend, Leben und Kultur in Japan. Nicht nur Samurais,
sondern auch Künstler und Gelehrte wurden entscheidend vom Zen geprägt. Berühmte Zenbuddhisten wie Josetsu, Shubun, Sesshu, Miyamoto Musashi und Hakuin waren
Meister der Tuschmalerei. Die frühen Zen-Maler, die dem Taoismus nahe standen,
stellten in der Sumi-e Malerei ihr mystisches Weltbild dar.
In der gesellschaftlichen Entwicklung Japans, in
den Kämpfen der Kaiser und Gegenkaiser um die Macht, wurden die Zen-Klöster oft
zu wichtigen kulturellen Zentren. Sie bewahrten das Überlieferte und
entwickelten es weiter im Sinne ihres spirituellen Denkens.
So blieb uns Sumi-e, diese hohe Kunst, erhalten
und nicht zuletzt hat der moderne Minimalismus westlicher Ausprägung seine
Wurzeln auch in der japanischen Kunst und Kultur.
Die japanische Tuschmalerei ist die im Tun sehr
eindringlich zu erlebende Form der Konzentration auf das Wesentliche in der
Leere eines weißen Blattes. Beim "Weg der schwarzen Tusche" handelt es sich
nicht um Malerei im Sinn des Wortes, sondern eher um eine "Skizze in Schwarz und
Weiß". In der Sumi-e Zeichnung wird nur mit den wichtigsten Linien die Idee eines
Objektes dargestellt. Der "Tanzende Pinsel" führt jeden Strich schnell und
sparsam aus. Kein Zögern, keine Änderung, keine Verbesserung – einmal
ausgeführt, entzieht sich das Resultat jeder Manipulation. Das Bild ist.
Motive sind bevorzugt Objekte aus der Natur. Die
beim Malen entstehenden Linien zeigen fast unendliche Variationen. Es gibt keine
Perspektive.
Sumi-e ist keine realistische, sondern eine
subjektive Kunst. Der Maler versucht, durch Identifikation mit dem Objekt den
geistigen Inhalt des Letzteren darzustellen. Jeder Pinselstrich folgt dem
Pulsschlag der lebendigen Natur. Wenn Logik oder Überlegungen sich zwischen
Pinsel und Reispapier schieben, verliert sich der Effekt. Jeder Pinselstrich besitzt
seine eigene Individualität.
Ein Sumi- e Bild will nichts Besonderes
darstellen, es existiert einfach.